Meg Stuart
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FRIEZE, Dance Moves - Astrid Kaminski (04/13)
BERLINER ZEITUNG, Es steht ein Saurier auf der Bühne - Michaela Schlagenwerth (12/01/13) [ German ]
WIENER ZEITUNG, Symphonie der Emotionen - Helene Binder (25/07/2013) [ German ]

Es knistert und knarzt. Dazu Bilder von Brücken und Beton, Steinen und Städten. Die fünf Tänzer lassen sich auf die Geräusche ein, halten kurz inne, erstarren zu menschlichen Monumenten. Die Arme sind steif nach oben gestreckt, als ob sie in die Zukunft zeigen würden. Gleichzeitig steht ein riesiger hölzerner Dinosaurier auf der Bühne, der die Vergangenheit und das Vergängliche symbolisiert. Über allem lässt Bühnenbildnerin Doris Dziersk die Planeten eines Sonnensystems schweben. Der Ursprung, das große ganze sozusagen.
„Built to Last“ (gebaut für die Ewigkeit) ist Meg Stuarts erste Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und bietet viel Raum für Interpretationen und Assoziationen. Das Stück ist im Prinzip eine Dauerbeschallung durch klassische und zeitgenössische Musik gespickt mit einzelnen Episoden und Geschichten. Absurd, ironisch, düster, komisch, farbenfroh und emotional packend zugleich. Bedeutungsschwangere Kompositionen der Musikgeschichte kommen zum Einsatz, die große Themen wie Ideale oder das Menschsein an sich behandeln. Die Choreografin hat um diese massiven Melodien von Beethoven und Rachmaninow, Bruckner oder Lachenmann ein dialogisches Spiel entwickelt.

Spiel mit Raum und Zeit

Die Tänzer (Dragana Bulut, Davis Freeman, Anja Müller, Maria F. Scaroni, Kristof Van Boven) gehen voll und ganz in der Musik auf, kehren Emotionen hervor, interpretieren diese auf ihre eigene Art und Weise. Etwa indem sie den Dinosaurier demontieren und wirr wieder zusammensetzen oder sich Masken aus Draht aufsetzen und die Bewegungen von Vögeln und Insekten imitieren. Immerhin gehören Insekten zu den ältesten und anpassungsfähigsten Bewohnern dieser Erde. Sind sie vielleicht die wahren Monumente, die die Ewigkeit überdauern werden?
Die Musik fungiert in Meg Stuarts „Built to Last“ lediglich als grober Raster, der in verschiedene Richtungen führen kann. Eines bleibt dabei aber gewiss: Nichts bleibt ewig bestehen. Der Mensch ist vergänglich und mit ihm alles, was er geschaffen hat. In kleinen Episoden werden Andeutungen gemacht, Raum für Interpretation geschaffen. Zum Beispiel wenn die Tänzer im Kreis gehen und die Evolution des Menschen nachspielen oder sich wie haarige Urzeitmenschen kleiden, Dreschflegel und Flechtkorb in die Hand nehmen, um sich wie ein Ausstellungsstück aus längst vergangenen Tagen zu präsentieren.
In einer anderen Episode der Performance bewegen sich die Tänzer wie in Schwerelosigkeit, ganz so, als ob sich in einem Raumschiff der Zukunft befänden. Dieses Spiel mit Raum und Zeit, verschiedenen Requisiten und Tanzstilen, schafft eine spannende Atmosphäre voller Emotionen und Möglichkeiten.

Ein besonderes Moment entsteht, als Anja Müller auf einem Podest versucht, den Planeten des Sonnensystems zu trotzen und adeltet, dass der Mensch das immerwährende Monument ist, das die Laufbahnen der Planeten lenken kann. Ihre Bewegungen sind episch-schön, kraftvoll und zart zugleich. Besser könnte man den Wunsch des Menschen nach Ewigkeit nicht darstellen.

4 Sterne

HET THEATERFESTIVAL, Juryreport 2013 - (30/05/13)
TIP BERLIN, Sketchbook in motion - Dorion Weickmann (02/13)
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