Meg Stuart
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Tip Berlin, Die Aura-Jägerin, Arnd Wesemann [ Duits ]
INFERNO, Hunter: Meg Stuart, Smaranda Olcèse [ Frans ]
The Irish Times, Built to Last, Michael Seaver [ Engels ]
The Irish Times, Built to Last, Michael Seaver (review) [ Engels ]
Examinor, Built to Last, Chris O'Rourke [ Engels ]
DE STANDAARD, Speelse agressie en jazzgeweld, Charlotte De Somviele
NRZ, Choreographie der Körpererkundung, Michael-Georg Müller (22.09.2015) [ Duits ]

Choreographie der Körpererkundung

Michael-Georg Müller, NRZ Der Westen, 22.09.2015

Drei Frauen, drei Männer bauen Türme und Brücken mit ihren Körpern. Dann verknäueln und verdrehen sich die Leiber – zu Dritt oder zu Viert. Kaum zu erkennen, welcher Arm, welches Bein zu welchem Gesicht gehört. Mal tanzen sie in bunten Pullis oder Hosen, mal oben ohne, später splitterfasernackt. All’ das ist nicht neu, das kennt man aus vielen zeitgenössischen Tanzstücken. Doch die Tänzer der Choreografin Meg Stuart gehen in ihrem Stück UNTIL OUR HEARTS STOP (Bis das Herz stehen bleibt) noch weiter. Sie beschnuppern sich gegenseitig, kitzeln die nackte Haut der Partner. Egal ob Mann oder Frau. Hauptsache die Nase erhält frische Nahrung, selbst vor der Schamgrenze macht ihr Entdeckungsdrang nicht Halt. Ironie, Parodie, Komik und echte Gefühle mischen sich in dem sinnlichen Körperbilder-Opus, das die Amerikanerin jetzt im Rahmen der Ruhrtriennale in Pact-Zollverein präsentierte.

Meg Stuart sprengt nicht, aber überschreitet Grenzen in ihrer geschickt komponierten Performance, die zwischen hitzigem Schlagzeug-Allegro und tranceähnlicher Piano-Ruhe pendelt. Da hocken zwei Frauen in Evakostüm mit gegrätschten Beinen voreinander, kitzeln mit den Füßen die Schamlippen der anderen. Oder zwei Männer massieren den Bauch, Rücken und Po ihres Gegenübers. Doch Voyeure kommen in diesen pausenlosen zwei Stunden nur selten auf ihre Kosten. Denn wenn die Darsteller mit ihren Gliedmaßen spielen, tun sie das wie unschuldige, alberne Kinder. Naiv und quietschfidel rennen sie dem anderen hinterher, werfen sich auf ihn/sie und reiben sich ihm/ihr.

Zudem kommentieren einige von ihnen häufig ihre Aktion. Das Außergewöhnliche aber ist die Art, wie Stuart das Publikum mitnimmt, ohne peinlich zu werden. Bei hellem Saallicht bieten sie den Zuschauern Wasser, Obst und Gugelhupf an, verteilen Knetmasse, mit denen viele später ihre Handmuskulatur trainieren. Einer plaudert gar hemmungslos mit Besuchern, sprüht Eau de Cologne, öffnet sein Hemd und fordert auf, ihn zu beschnuppern. Dass das jemand macht, beweist, wie Meg Stuart das Publikum zu lockeren Partnern gemacht hat.

Deutschlandradio Kultur, Das Ende einer Ära, Christoph Liebold (18.06.2015) [ Duits ]
Deutsche Bühne, Unbequeme Zügellosigkeit, Vesta Mlaker (20.06.2015) [ Duits ]
NRZ Der Westen, Choreography of the exploration of the body, Michael-Georg Müller (22.09.2015) [ Engels ]
DE MORGEN, De gêne voorbij gedanst - Pieter T' Jonck

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