Meg Stuart
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Vermutlich schaut die US-amerikanische Choreografin Meg Stuart gern Horrorfilme. Streifen wie „The walking Dead“, die so gruselig sind, dass man selbst davor kapituliert hat. Nicht, dass es· in Stuarts Stück „Built to last“, einer Koproduktion mit den Münchener Kammerspielen, das jetzt im Hau 2 zu sehen ist, um Horror ginge. Ganz und gar nicht. Es geht um Beethoven und Rachmaninoff, um Bruckner, Lachenmann und Meredith Monk. Um 15 Werke, die Musikgeschichte geschrieben, die die Musik technisch wie inhaltlich verändert haben, und die Ideale und Utopien der Menschheit thematisieren. Es ist eine absurde Mischung, und sich mit dieser Musik tanztheatralisch auseinandersetzen zu wollen ist ein Vorhaben, von dem man mit Sicherheit zu wissen meint: Das kann nicht gutgehen. Aber dann geschieht etwas Erstaunliches. Stuarts fünf Performer, alle auch selbst Choreografen und Regisseure, kommen so erstaunlich leichtfüssig daher, dass man nur an echte Genre-Versiertheit glauben mag. Damit wir gleich von Anfang an wissen, womit wir es zu tun haben, steht am Bühnenrand ein Saurierskelett aus Sperrholz. Als ebensolche Gliederpuppen zeigen sich Anja Müller, Dragana Bolut, Maria F. Scardini, Davis Freeman und Kristof van Boven. Sie stehen in einer Reihe an der Rampe und verschieben nicht mehr als ihre nach außen gereckten Ellenbogen. Aber so subtil, dass sich ein fantastisches Ballett ergibt. Später werden die Kugeln an der Bühnendecke zu kreisen beginnen und sich zur Musik von Meredith Monk neue Universen öffnen. Das Saurierskelett wird zerlegt, absurde Kostüme werden angelegt. Zu Rachmaninoff werden alle zuckend gegen den Bombast ankämpfen, sich darüber lustig machen, sich doch wieder ergeben. Pausieren, resignieren und, mit den Schultern zuckend, eine neue Schleife drehen.

Mit göttlicher Merkurkappe ausgerüstet reist Anja Müller in den Bühnenhimmel, um ein wenig Ball mit den Planeten zu spielen, und von Ferne wird dabei Charlie Chaplin grüßen. Das Podest, auf dem sie steht, wird dabei von ihren Mitspielern tapfer hin- und hergeschoben, sie selbst kann mit den unbeirrbar auf ihren Bahnen kreisenden Kugeln nur so tun, als hielte und würfe sie diese.· Eigentlich muss sie aufpassen, dass sie nicht imWeg steht, und ihr nicht ihr bizarrer Hut vom Kopf gestoßen wird. Sie ist eben nur ein kleiner, sterblicher, verkleideter Mensch. Was will man da gegen Werke ausrichten, die für die Ewigkeit gemacht sind – „built to last“.

„Built to last“ ist witzig, komisch, anrührend, und gerade, weil die Performer so unspektakulär daherkommen, kann all das Große und Spektakuläre wunderbar durch sie hindurchfließen. Das Stück ist Stuarts erste Koproduktion mit den Münchener Kammerspielen. Es scheint sich um eine für beide Seiten sehr fruchtbare Partnerschaft zu handeln. Eine, die in Berlin Ihre Fortsetzung findet. Denn auch in Annemie van Ackeres Hau hat Stuart, nachdem Ihre Partnerschaft mit der Volksbühne sang- und klanglos zu·Ende ging, einen neuen Partner gefunden. Sie geht also Berlin erfreulicherweise nicht verloren.

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